Karlheinz Rabas
Urnenhain
auf dem Rotthauser Friedhof


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Der Urnenhain auf dem Rotthauser Friedhof ist ein Zeugnis der Freidenker-Bewegung der Weimarer Republik. Als „Grabstätte des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung“ entstand er 1924 im Wirr-Warr nach dem Ersten Weltkrieg, mitten in der Besatzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen. Rotthausen war damals eine Hochburg der KPD und die Rotthauser Freidenker gehörten zum kommunistischen Flügel der Arbeiterbewegung.

Die Freidenker-Vereine waren in Deutschland weit verbreitet und zogen insbesondere Sozialdemokraten an. Aus ihrer proletarischen Weltanschauung heraus betrachteten Freidenker den Austritt aus der Kirche und damit auch die Einäscherung als Teile eines „freigeistigen Kulturkampfes“.

Durch umfangreiche Recherchen ist es dem Autor gelungen, die Geschichte der Anlage und die Namen der dort zwischen 1924 und 2013 Beigesetzten (fasz ausnahmslos) auffindig zu machen.


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Die Urnenstätte mit seinem eindrucksvollen Grab- und Gedenkstein, mit den Namen der ersten beiden Verstorbenen.
Foto aus dem Jahre 1923.
[Sammlung Stadtteilarchiv Rotthausen e.V.]

Der Autor, der bekannte Lokalhistoriker Karlheinz Rabas, erzählt die Geschichte der Grabstätte und setzt sie in ihren historischen Kontext. Neben seinem Text umfasst das Heft Reproduktionen aus dem Bestattungsbuch mit Eintragungen zu allen dort Beigesetzten aus den Jahren 1924 bis 1963, sowie Fotos der noch vorhandenen Namenstafeln des Gedenksteins.

Die Lebensgeschichten zweier bekannten Antifaschisten, die dort bestattet wurden, werfen ein besonderes Licht auf die bewegte Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Fritz Jakob
 
Fritz Jakob  
[Foto: Stadtteilarchiv Rotthausen]

Fritz Jakob (1885 – 1944), war schon 1905 in der Arbeitbewegung aktiv und wurde 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Rotthausen. Als KPD-Mitglied wurde er von den Nazis 1933-38 inhaftiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde er aktiver Widerstandskämpfer und 1944 von den Nazis festgenommen und hingerichtet.


Seine Asche wurde 1947 auf dem Rotthauser Urnenhain unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich beigesetzt. Vierzig Jahre später ehrte ihn die Stadt Gelsenkirchen mit einer Gedenktafel und die Bennenung des Fritz-Jakob-Platzes in der Altstadt.

Der bekannte Lokalpolitiker Emil Samorei (1891 – 1967) gehörte der Generation an, die in den Jahren 1918 – 1920, der Zeit der Novemberrevolution und des Kapp-Putsches politisch geprägt worden war. Zeitlebens ein aktiver Kämpfer für Arbeiterrechte, war er 1936 wegen Widerstandstätigkeit zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
 

Emil Samorei
 
Emil Samorei  
[Foto: Stadtteilarchiv Rotthausen]